Definition
Drall ist eine feine, schraubenförmig (helixartig) umlaufende Struktur auf der Mantelfläche eines rotationssymmetrischen Bauteils, die bei der Bearbeitung entstehen kann. Auf Dichtflächen wirkt dieser Drall wie ein Fördergewinde und kann Schmiermittel entlang der Welle transportieren — die Dichtung wird undicht.
Kurz erklärt
Drall entsteht, wenn sich die Bearbeitungsspuren nicht exakt senkrecht zur Wellenachse, sondern in einem leichten Winkel anordnen — etwa durch die Vorschubbewegung beim Schleifen oder durch Werkzeugverschleiß. Charakterisiert wird er über Drallwinkel, Drallzahl (Anzahl der Gewindegänge) und Dralltiefe; in der Automobilindustrie ist die Bewertung in der Richtlinie MBN 31007-7 / „Twist“-Messung geregelt.
Besonders kritisch ist Drall an Radial-Wellendichtring-Laufflächen (RWDR): Schon ein minimaler Fördereffekt entscheidet über Dichtheit oder Leckage über die Lebensdauer. Deshalb werden solche Laufflächen drallfrei oder mit definiert kontrolliertem Mikrodrall gefertigt — etwa durch Einstechschleifen ohne Axialvorschub, Plungeschleifen oder eine nachgelagerte Finish-Bearbeitung. Eine niedrige Rauheit allein garantiert keine Drallfreiheit; beides muss getrennt geprüft werden.
Häufige Fragen
Warum ist Drall bei Dichtflächen ein Problem?
Die schraubenförmige Struktur wirkt wie ein Gewinde und fördert Öl oder Fett entlang der Welle. Das führt zu Leckage am Wellendichtring, obwohl die Oberfläche glatt aussieht.
Wie wird Drallfreiheit erreicht?
Durch Schleifverfahren ohne resultierenden Axialvorschub (z. B. Einstech-/Plungeschleifen) und nachgelagertes Finish. Geprüft wird per Twist-Messung nach MBN 31007-7.
Mehr zum Thema: Drallfreie RWDR-Laufflächen fertigen wir im Drallfreischleifen.