Definition
Die Austenitisierung ist das Erwärmen eines Stahls auf Härtetemperatur, bei der sich das Gefüge in Austenit umwandelt und Kohlenstoff sowie Legierungselemente in Lösung gehen. Sie ist der erste Schritt jeder Härtung – erst aus dem austenitisierten Zustand kann durch Abschrecken Martensit entstehen.
Kurz erklärt
Oberhalb der werkstoffabhängigen Umwandlungstemperatur ändert Stahl seine Gitterstruktur: Es entsteht Austenit, in dem sich Kohlenstoff deutlich besser löst als im Ausgangsgefüge. Temperatur und Haltezeit müssen zum Werkstoff passen: Ist die Temperatur zu niedrig oder die Zeit zu kurz, löst sich zu wenig Kohlenstoff – die erreichbare Härte sinkt. Zu hohe Temperaturen oder zu lange Haltezeiten führen dagegen zu Kornwachstum und verschlechtern die Zähigkeit.
Nach der Austenitisierung folgt das Abschrecken: Die schnelle Abkühlung unterdrückt die Rückumwandlung und zwingt das Gefüge in den harten Martensit (siehe Gefügeumwandlung). Bei Lufthärtern genügt dafür bereits die Abkühlung an Luft oder im Schutzgasstrom.
Häufige Fragen
Welche Temperatur ist für die Austenitisierung nötig?
Das ist werkstoffabhängig – bei den gängigen härtbaren Stählen liegt sie typischerweise im Bereich von etwa 950 bis 1100 °C. Maßgeblich sind die Angaben des Stahlherstellers und die abgestimmte Prozessführung.
Warum ist die Haltezeit wichtig?
Der Kohlenstoff braucht Zeit, um sich gleichmäßig im Austenit zu lösen. Eine zu kurze Haltezeit führt zu ungleichmäßiger Härte, eine zu lange zu Kornwachstum – beides verschlechtert die Bauteileigenschaften.
Mehr zum Thema: Kontrollierte Austenitisierung im Durchlaufofen – unsere Wärmebehandlung.